Aus: Die Zeit, Ausgabe Nr. 38, vom 11.09.2003


Ouko hän syönyt jo ?

Finnisch lernen heißt leiden lernen...

...
[Zunächst geht es in dem Artikel um "mämmi", einen traditionellen finnischen Festtagskuchen.]

Außerdem können Ausländer an dem Wort gleich eine Besonderheit der Aussprache üben: die Artikulation der im Finnischen so häufigen Doppelkonsonanten. Sie werden nicht einfach getrennt gesprochen, sondern leicht ineinander gezogen, wobei aber der zweite Buchstabe sanft neu angesetzt wird. Zu hören ist eine Art anderthalbfacher Lautwert, und dieser prägt den für deutsche Ohren weichen, melodischen Klang der Sprache. Die korrekte Länge der Vokale und Konsonanten ist wichtig, denn beide sind Bedeutungsträger: So heißt kukka Blume, kuka hingegen wer. "Deutschen fällt es manchmal schwer, die Laute hinzubekommen, Sie neigen zu einer etwas zackigen Aussprache."
Theoretisch [!] ist die Aussprache leicht zu meistern: Zu jedem Buchstaben gehört nur ein Laut. Darüberhinaus muss man noch verinnerlichen, dass im Finnischen grundsätzlich [!] die erste (und die dritte, fünfte, siebte) Silbe betont wird. Natürlich gibt es insbesondere Vokalkombinationen, die ungeübten Zungen zu schaffen machen - "lyijykynä" (Bleistift) ist schon so mancher Finnisch-Anfänger verzweifelt.

[-- Soviel zum Thema Aussprache und Betonung...]

"Schreiben Sie aber nicht die Horrorgeschichten von den 15 Fällen", meint Eila Hämaläinen, Lektorin an der Universität Helsinki, "sonst traut sich niemand her." Nun gut, die 15 möglichen Fälle des Substantivs spielen in der Alltagssprache nicht alle [!] eine Rolle. Aber auf fünf bis elf Fälle müssen sich Lernende doch einstellen. Dabei kommen Lokalfälle, die einen Ort oder eine Richtung bezeichnen, in besonders vielfältigen Formen vor: Zum Nominativ (die Hand: käsi) gesellen sich unter anderem [!] der Inessiv (wo? in der Hand: kädessi), der Elativ (von wo? aus der Hand: kädestä), der Adessiv (worauf? auf der Hand: kädellä), der Allativ (zu wem? zu was? auf die Hand: kädelle). [Anmerkung meinerseits: Hier kommt ebenfalls eine Besonderheit zum Tragen: das "ä" bei den Endungen ist im "Normalfall" ein "a". Es wird in diesem Fall zum "ä", weil bestimmte Vokale aufgrund der harmonischen Aussprache nicht zusammen mit anders gearteten Vokalen im gleichen Wort vorkommen dürfen...]

Wichtig ist auch der Partitiv, der eine unbestimmte Menge bezeichnet. Bei dem Satz "Ich möchte Brötchen" etwa steht "Brötchen" nicht wie im Deutschen im Akkusativ, sondern im Partitiv, womit der Sprecher ausdrückt, er wolle einige von allen denkbaren Brötchen der Welt haben. Erschwert wird das Formenlernen [!] durch die so genannten Stufenwechsel, eine Lautverschiebung, die in Verbindung mit den Mittellauten k, p und t auftritt. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als diese Stufenwechsel allesamt auswendig zu lernen. Zur Belohnung offenbart sich im Genitiv der Wortstamm, an den in den meisten Fällen [!] dann nur noch unterschiedliche Endungen angehängt werden.

[-- Nun alles klar ??]

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