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Kultur & Co.

Die Finnen gelten als ein ruhiges, zurückhaltendes und ehrliches Volk, das sich durch sein Können auf den Gebieten Technologie, Mobilfunk, Möbel- und Schiffbau einen Namen gemacht hat. Finnland wurde vom Weltwirtschaftsforum wegen seines schnellen Reagieren im Wirtschftsbereich zum wettbewerbsfähigsten Land der Welt gekürt. Nur mit "Sisu", der leidenschaftlichen Beharrlichkeit, für die Finnen berühmt sind, war dies zu schaffen. (Siehe auch: Kleiner Geschichtsüberblick und "Finnlandisierung")


Sisu

"Sisu" heißt das Zauberwort, etwa mit leidenschaftlicher Zähigkeit zu übersetzen. Sisu bedeutet etwa so viel wie Ausdauer, Zähigkeit, Kraft, Stärke, aber auch Beharrlichkeit, Charakter. Es ist ein zentraler Wert, ein Idealzustand von Körper und Geist. Deshalb treiben Finnen auch viel Sport, und die Erfolge in den Ausdauerdisziplinen im Leistungssport (Marathon, Skilanglauf etc.) sind nur die logische Folge eines gesunden Breitensports. (Anmerkung: Die Erkundigungen bei den Finnen gestaltete sich hier jedoch etwas schwierig - eine beliebte Bonbon-Sorte trägt den gleichen Namen... )


Kalevala

Lange hat es gedauert, bis ein finnisches Nationalbewußtsein wachsen konnte. Zwei Dinge habe diese Entwicklung gefördert: die Anerkennung des Finnischen als Nationalsprache und die Veröffentlichung des Nationalepos "Kalevala". Elias Lönnrot (1802 bis 1884) sammelte auf vielen Fußmärschen durch die unzugänglichen Gegenden Kareliens bei den alten Runo-Sängern Tausende von Verszeilen. Über Generationen haben die Sänger alte Begebenheiten und Volkssagen weitergegeben. Alles war aber nur mündlich überliefert, bis Lönnrot es aufschrieb - eine ganz besondere Art von Kulturgeschichte.

Das Kalevala hat nicht nur Bedeutung für die Herausbildung des finnischen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert; es wirkte darüber hinaus auf das gesamte finnische Geistesleben bis heute ein. Die Studie des Kalevalas gehört zur Pflichtlektüre eines jeden finnischen Schülers. Das Lesen der Originalfassung gestaltet sich jedoch wegen der typischen Kalevala-Verse (vierfüßige Trochäen) und der SingSang-Betonung etwas schwierig...

Wer also das finnische Wesen und die Identität des finnischen Volkes näher kennen lernen möchte, dem sei das Kalevala bestens empfohlen. Kaum in einem anderen Werk sind die Bestrebungen und Leistungen frühere Generationen in ihrem engen Verhältnis zur Natur so fest verwurzelt. (Siehe auch: Artikel der Deutsch-Finnischen Gesellschaft)


Essen und Trinken

Die finnische Küche enthält einheimische Spezialitäten und weist einen skandinavischen und russischen Einschlag auf. Besonderer Bedeutung kommt in Finnland den Fischgerichten und dem Rentierfleisch zu. Die Finnen sind manische Pilze-Gourmets, kein Wunder bei soviel Wald. Ihre Vorfahren kamen schließlich als Jäger und Sammler durch russische Forste bis nach Skandinavien. Pilze als Ragout sind daher praktische eine Standardbeilage. Milch und Sahne spielen in der hiesigen Kunst der kulinarischen Verfeinerung eine große Rolle. Fast für alle Speisen werden diese Zutaten verwendet. Im Großen und Ganzen ist die finnische Küche Hausmannskost, derb und nahrhaft. Pellkartoffeln mit Dill sind praktisch das inoffizielle Nationalgericht; man kann ihm nicht entgehen (weitere Beispiele).

Einige Beispiele:

  • "Karelischer Fleischtopf":
    Die Kraftbombe schlechthin - Rind-, Hammel- und Schweinefleisch und Kalbsnieren in Stücke schneiden und mit Gewürzen sowie Zwiebeln schichtweise übereinander stapeln und im Ofen zweieinhalb Stunden schmoren lassen. Das Schwein obenauf, ganz wichtig!


  • "Glühlachs":
    Der entgrätete Fisch wird gesalzen und an ein Brett genagelt. Die Bretter werden ans offene Feuer gestellt, ohne dass es Flammenkontakt gibt. Nach einer Stunde ist der Lachs durchgeröstet.


  • "Kekkonens Lieblingssuppe":
    Dieses Gericht ist dem ehemaligen Staatspräsidenten Urho Kaleva Kekkonen gewidmet. Da kann eigentlich alles rein, was man mag - ein Eintopf also. Gewürfelte Kartoffeln sind Pflicht, Fischsorten jeder beliebiger Art sind die Kür. Mit Roggenmehl wird gebunden, erst bei Tisch kommt noch zerlassene Butter hinzu.


In Finnland sagt man:

"Wenn Schnaps, Teer oder Sauna nicht helfen, ist die Krankheit tödlich."

Bei dem Wort Sauna denkt man sofort an Finnland, obwohl die Finnen nicht die Sauna erfunden haben. Bereits unsere Urahnen lernten Wärme in Steinen zu speichern und damit einen Raum zu beheizen, um sich aufzuwärmen. Historiker bezeichnen den Aufenthalt in der durch heißen Steine erwärmten Raumluft als Steinschwitzbad. Diese sogenannten Steinschwitzbäder beeinflussten auch das Badewesen späterer Kulturen. Die Römer entwickelten das Badewesen weiter, bis hin zur Gestaltung von Thermenanlagen. Der große Verdienst der Finnen liegt vor allem darin, diese besondere Badeform vor dem Vergessen bewahrt zu haben.

Die wichtigste Regel beim Saunieren ist: es gibt keine Regeln! Mache dir deine Sauna so, dass du dich wohl fühlst. Wichtig allein ist der Wechsel von heiß nach kalt: Einer schwört auf die kalte Dusche hinterher, der andere aufs Tauchbecken. Beliebt bei den Finnen ist auch das Schwimmen im nahen See; im Winter wird ein Loch in die Eisdecke gehackt. Im Winter wird auch das Wälzen im Schnee zum Abkühlen genommen.

Den großen Durchbruch erlangte die Sauna 1936 in Deutschland. Auf Wunsch der finnischen Sportler im Olympischen Dorf in Berlin wurde ein Saunahaus gebaut. Alle deutschen Zeitungen berichteten darüber, so dass sich Ärzte zum ersten Mal mit den Wirkungen des Saunabadens beschäftigten.