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Studieren an der Polytechnic
Wie schon bei der Beschreibung des
finnischen Bildungssystems
erwähnt, ist das Prinzip der finnischen Polytechnics von den deutschen Fachhochschulen nachempfunden. Polytechnics gibt es erst seit ein paar Jahren (Beginn der 90er Jahre), daher ist die Ausstattung der meisten Polytechnics relativ modern und komfortabel. Die Studiendauer beträgt 3,5 Jahre und endet mit dem Schreiben einer Abschlussarbeit. Studiert wird in kleineren Gruppen und es herrscht ein eher ungezwungener Ton mit den Dozenten - teilweise werden sie sogar mit Vornamen angesprochen. Die Dozenten meist ausserhalb der eigenen Vorlesungen in ihren Büros anzutreffen und gern für die Studierenden da. An einigen Polytechnics gibt es besondere Studiengänge, die ausschließlich englisch-sprachige Vorlesungen beinhalten. Dieses Angebot richtet sich vor allem an ausländische Studenten, einige absolvieren sogar ihr gesamtes Studium in Finnland.
Das Kurs-System an den finnischen Polytechnics ist ein wenig gewöhnungsbeduerftig, wenn man von einer durchstrukturierten deutschen Fachhochschule kommt. An der Kieler FH ist es z.B. ueblich, dass die Seminare alle die gleiche Anzahl Vorlesungsstunden und ECTS-Punkte erhalten. Welche Leistungen genau erbracht werden muessen, hängt dabei vom Dozenten ab. Hier ist es so, dass die Kurse alle unterschiedliche Credits besitzen und dazu noch stark von einander abweichende Anzahl an Vorlesungsstunden aufweisen. Aber das System ist eigentlich recht simpel, wenn man es einmal verstanden hat - jeder finnische Credit bedeutet 40 Stunden Arbeit. Ein Kurs mit 3 Credits (uebrigens 4,5 ECTS-Punkte) bedeutet also 120 Stunden Arbeit. Das ist eine ganze Menge - schliesslich muessen wir fuer das Sokrates-Stipendium 20 Credits abreißen => 800 Stunden Arbeit (verteilt auf 14 bis 16 Wochen).
Ich hatte am Anfang einige Probleme einen passenden Stundenplan zusammenzustellen, da im IT-Bereich die Kurse eher mit weniger Credits belegt sind, im allgemeinen Business-Bereich werden jedoch Kurse mit recht vielen Credits angeboten (teilweise bis zu 6 Credits). Aber die Erklärung ist ganz einfach: hat der Kurs viele Credits und wenig Vorlesungsstunden, muss man eine ganze Menge extra machen - wie z.B. jede Woche mal eben ein kleines Essay verfassen, natuerlich erst nach ausfuehrlicher Internet-Recherche. Es hat halt alles so seine Vor- und Nachteile... =)
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